Architekt Mag.arch. Franz Schauer
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Was ist und wie entsteht Architektur?

Die Frage ob Architektur eine Kunst ist, wird von der Frage begleitet welche Kunst sie eigentlich genau wäre. Die Kunst des Entwerfens, Gestaltens und Darstellens sind mittlerweile zu eng gefasste Begriffe.

Den Genius eines Architekten, der ein Gebäude erfindet um es dann dem Bauherren als fertiges Produkt zu präsentieren, kann es nicht mehr geben. Die Architektur kann nicht durch eine einzige Person entstehen. Die Architektur entsteht im Ausdruck eines Dialoges zwischen Personen und Systemen, die den Entstehungsprozess von baubaren Strukturen prägen. Der Bauplatz, der Bauherr und der Architekt. Diese drei Entitäten stellen in der klassischen Architekturentstehung die Bestandteile jener Kommunikation dar, die den Planungsprozess vorantreibt. Der Begriff des Bauplatzes wird unter dieser klassischen Begrifflichkeit als der Ort an dem gebaut wird betrachtet. Der Bauherr macht die funktionellen und ideellen Vorgaben. Der Architekt setzt diese Vorgaben in eine virtuelle, baubare, räumliche Struktur um.

In der gegenwärtigen Architekturproduktion haben sich diese Entitäten (Bauplatz, Bauherr, Architekt) in Ihrer Strukturiertheit und Ihrer Wirkungsweise stark verändert. Der Bauplatz ist nicht mehr nur der Ort im räumlichen Sinn und die an diesem Ort gültigen rechtlichen oder sonstigen Bestimmungen. Er ist das Konstrukt der Wissenschaft(en) über das Wohnen und das Bauen. Der Bauherr als Person bezieht seine Prägung vom Markt, auf dem das Bauen und Wohnen verhandelt wird. Dieser Markt zwingt Ihn zu gewissen Entscheidungen, formt seinen Willen und seine Vorlieben über das Wohnen. Der Architekt ist Zuhörer, Analytiker, und Konstrukteur. In diesem Sinne nimmt er eine Stelle als Katalysator ein.

Wichtig ist, dass der Bauherr wie der Architekt sich ihrer Standpunkte in diesem System bewusst sind, und Bereitschaft zeigen die Vorgaben des Marktes und der Wissenschaften kritisch zu betrachten. Ziel muß es sein einer kritischen Analyse (Zersandung des Wissens) eine kreative Computation (Zusammenführung des Wissens) folgen zu lassen. Das gelingt nur wenn die Kommunikation zwischen Bauherr und Architekt funktioniert und die Vorgaben des Ortes an dem gebaut wird genauestens bekannt sind. Je besser diese Kommunikation in diesem System ist, umso schöner und zeitgemäßer werden die Bauwerke.

Ein gutes Bauwerk entspricht in diesem Sinne nicht dem "Zeitgeist", sondern genauen gegenwärtigen Vorgaben und Zwängen. Dann ist ein solches Bauwerk an der Spitze der Zeit (Avantgard, Modern). Die Relativität und die Individualität der Schönheit ist in unserer Gesellschaft eine allgegenwärtige Forderung. Da es für die Architektur unumgänglich ist, sich an übergeordneten Vorgaben des Marktes und der Wissenschaften zu orientieren, wird diese Individualität von einer Kultur des sich "Anpassens" (Tradition) begleitet. Eine gewisse Tradiertheit darf daher auch in der Produktion modernster Architektur nicht gescheut werden.